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Saids Summer School in Finning am Ammersee

Thema 2020: Oum Kalthoum

Ein Erfahrungsbericht und kritisches Resümee
von Zaina

Wie alle Jahre führte mich auch in diesem August mein Weg von Fürth nach Finning an den Ammersee zu Saids Summer School. Dem Hygienekonzept von tamed e.V. folgend durften wir trotz Corona drei Tage im schönen Tanzraum von Afritah Hanem miteinander verbringen, die dieses Jahr im Zeichen Oum Kalthoums standen. Die folgenden Zeilen möchte ich nutzen, um mein Erlebnis des „Intensives“ und daraus gewonnene Erkenntnisse zu teilen und gleichzeitig allen Interessierten Mut zu machen, sich auf einen solchen Prozess der Erfahrung und Entwicklung einzulassen.

Oum Kalthoum! Dieser große Name stand im Zentrum der diesjährigen Summer School, der mich den drei Tagen am Ammersee mit Neugier wie auch Ehrfurcht entgegenblicken ließ. Im Rahmen einer anschaulichen Power Point Präsentation, die mit 4 Seiten Literaturhinweisen wohl als wissenschaftlich sehr gut recherchiert bezeichnet werden kann, vermittelte Said zum Einstieg Hintergrundinfos, die wir gemeinsam diskutierten: Oum Kalthoums Lebensgeschichte eingebettet in die Geschichte der Zeit, ihr großes Werk und zentrale Themen, ihre beeindruckende Stimme, das unvergessliche Erbe, das sie hinterlässt, und brisante Gerüchte, die um ihr Privatleben kreisen. (All dies ist im neuesten Artikel von Said el Amir „Oum Kalthoum – Ägyptens vierte Pyramide“ nachzulesen.) Wir durften Video-Aufnahmen ihrer Auftritte sehen, ebenso der letzten Ehrerweisung.

Die Präsentation führte uns direkt zu Musik und Tanz: „Enta Omri“! Im Laufe der Summer School bekamen wir einen guten Eindruck von der Bandbreite verschiedener Aufnahmen und (auch sehr spannender) Remakes. Wir hörten klassische und moderne Versionen dieses Stücks, und fragten uns: Welche Bewegungen nutze ich für eine ‚alte‘, traditionelle Version des Stückes, welche nutze ich für ‚modernere‘ Versionen? Welche Stimmungen und Gefühle löst die Musik in mir aus? Wie verhalte ich mich zur und mit der Improvisation von „Enta Omri“? Welche Kontexte sind zu beachten, welches Kostüm ist geeignet, welches eher weniger? Diese Fragen klärten wir mit Hilfe eines der vielseitigen Dance Teacher’s Tools, die Said konsequent im Unterricht nutzt und die diesen immer wieder spannend und abwechslungsreich machen. Nach diesem ersten Sammeln von Ideen wagten (und das ist wohl das richtige Wort für diese ersten Versuche) wir uns an die Improvisation zu „Enta Omri“, ein Versuch, der für mich und – ich wage zu behaupten – auch für so manche Mittänzerin im Saal zunächst von gefühltem ‚Durcheinander‘ und phasenweiser Planlosigkeit gekennzeichnet war.  

Umso schöner war es, sich im Laufe der Summer School Schritt für Schritt der Improvisation anzunähern. Das ging los mit der wesentlichen Erkenntnis: Weniger ist mehr! Wir übten, Pausen in der Musik zu hören und im Tanz einzuhalten! Wir übten, schrittweise mit wenigen Bewegungen zur Musik zu tanzen. Die Bewegungen wurden geklärt und dann passend eingesetzt, biomechanische Aspekte für die Ausführung unterschiedlicher Bewegungen durften wir u.a. über Bodenarbeit und Körperwahrnehmung erfühlen. Zudem setzten wir uns verstärkt mit Bewegungsqualitäten auseinander, um den Bewegungen mehr Tiefe und somit auch mehr Glaubwürdigkeit und Bedeutung (die immer auch mit persönlichen Gefühlen verbunden ist) zu geben.

Ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Summer School war die Interpretation des Texts: Worum genau geht es in „Enta Omri“, was sind Schlüsselwörter, die im Tanz Beachtung finden sollten? Wie kann ich Inhalte des Stücks vermitteln und ausdrücken?  Die Beschäftigung mit diesen Fragen half uns, Gestik und Mimik in den einzelnen Passagen passend einzusetzen und an der eigenen Ausdruckskraft zu feilen. Wir klärten in diesem Zusammenhang auch die spannende Wirkung von Körpersprache und von Raumpunkten auf der Bühne.

Am Ende gingen wir aus dieser Summer School, die uns Wissen über Oum Kalthoums Werk, arabische Musik und passendes Tanzrepertoire vermittelte, nicht nur mit einem recht soliden Gerüst für unsere Improvisation von „Enta Omri“ heraus. Viel wichtiger noch finde ich die Erkenntnisse, die wir mitnehmen dürfen, denn jeder einzelnen von uns gelang es, falsche Ängste vor der Improvisation zu überwinden und am Ende deutlich entspannter und gelöster sowie freier und souveräner zu tanzen. Das Gefühl von Genuss am improvisierten Tanz ist wohl das schönste Geschenk der diesjährigen Summer School.  

Individuelles Feedback von Said, das – für mich zumindest – oft wegweisend ist und über die Summer School hinaus inspiriert und motiviert, rundete diese inspirierende Summer School ab.

Ein kritisches Resümee – Was hat mir die diesjährige Summer School gebracht?
Saids Summer School 2020 gibt mir:

  1. mehr Mut zur Improvisation und im Besonderen eine neue Herangehensweise ans Erstellen von Improvisationsgerüsten und eigenen Choreografien
  2. ein besseres Verständnis von Oum Kalthoums Musik und Möglichkeiten der tänzerischen Interpretation
  3. Klarheit mit Blick auf meine persönliche Vorstellung davon, was in meinen Augen eine Tänzerin auszeichnet und wohin meine Reise gehen kann. Während ich persönlich es völlig legitim finde, auf egal welchem Level zur eigenen Leistung zu stehen, so halte ich es für ebenso notwendig, stets die Bodenhaftung zu bewahren und nie die Sache selbst – die Liebe zum orientalischen Tanz – aus den Augen bzw. dem Herzen zu verlieren. Souveränität statt Selbstverliebtheit, Qualität statt Quantität, Sein statt Schein finde ich erstrebenswert. Neben der Fokussierung auf diese Werte ziehe ich aus der Summer School für mich persönlich folgende Ziele: Mut zu Kreativität (mit entsprechendem Hintergrundwissen über arabische Musik, Tanzgeschichte und Kultur), Mut zur kritischen Selbstanalyse und Mut zur Fortbildung, um stetig mehr Wissen und mehr Erfahrung zu gewinnen und das bestmöglich in meinen Tanz und Unterricht einzubringen. Ein ehrliches Interesse am orientalischen Tanz und die Freude am Tanzen sind wohl auch Schlüssel für tiefgründige Gespräche, gegenseitige Unterstützung und ein gesundes Miteinander.
  4. das besondere Gefühl, im Rahmen des Improvisationsgerüsts ‚frei‘ zu tanzen und dabei den eigenen Stil und die eigene Ausdruckskraft zu entfalten
  5. Lust auf mehr! Lust mehr über die Musik der Araber zu erfahren und sie – den jeweiligen Kontexten angepasst – passend tänzerisch zu präsentieren. In diesem Sinne, bis zur nächsten Summer School!

    Wer neugierig geworden ist, kann sich hier über weitere Angebote informieren und anmelden: https://www.jomdance-science.com/buchen
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Anfängerkurse für Erwachsene

Anfängerkurse Herbst 2020

Lernt den orientalischen Tanz in seinen Facetten kennen! Von locker & lässig im Pop, über romantisch verträumt mit Schleier, bis zu klassisch elegant & stilvoll feminin – Oriental Dance bietet für alle etwas.

Im Anfängerkurs bekommt ihr einen Eindruck dieser vielseitigen Tanzrichtung. Ihr lernt Grundschritte und Basisbewegungen kennen, die in Diagonalen verschiedener Art und tänzerischen Kombis eingeübt werden. Wir nutzen unterschiedliche Musikstücke, um den Tanz, seine Musik und verschiedenen Stimmungen besser kennenzulernen (8er-Karten erhältlich!).

Wir tanzen im 140qm großen Saal mit ausreichend Abstand und Frischluft. Dem Spaß an Musik & Bewegung steht nichts im Wege!

Wo: Chakra Dance Center | Kaiserstr. 177, Aufgang C | 90763 Fürth

mit Zaina
Freitag, 18:30 – 19:30 Uhr

Weitere Infos & Anmeldung per:
E-Mail: chakra-dance@gmx.de
Telefon: (0911) 77 77 07
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